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75 Jahre Zwergkämpfer-Club Deutschland von 1930 von Wilfried Detering

Deutschlands Zwergkämpferzüchter feiern in diesem Jahr das 75-jährige Jubiläum ihrer Gemeinschaft. Aus diesem Anlass wurde versucht, die Geschichte des Clubs in ihren Anfängen aus den noch vorhandenen Unterlagen in meinem Archiv alter Akten und Kataloge aufzuzeichnen.

Die Betreuung unserer Englischen Zwergkämpferrassen begann aber schon vor der Gründung unseres Clubs. Ein großer Verdienst gebührt hier den örtlichen Zwerghuhnvereinen Leipzig 1895 und Bielefeld 1911, sie wählten gleich nach ihrer Gründung Obleute für Zwergkämpfer. 1895 wurde auch von 52 Mitgliedern der “Club der Zwerghuhnzüchter“ in Leipzig gegründet. Der erste Vorstand setzte sich gleich aus zwei Zwergkämpferzüchtern zusammen: Oscar Schaerff, Bad Salzuflen und Henry Loebel, Hamburg. Nur wenige Jahre später kamen andere Züchter unserer Zwergkämpferrassen wie Karl Lohmann, Paderborn und Ernst Florschütz, Jena hinzu.

Die erste große Veranstaltung führte der Club der Zwerghuhnzüchter vom 19. – 22. November als erste Internationale Zwerghuhn – Ausstellung 1896 im Mariengarten in Leipzig durch. Zum erstenmal veranstalteten deutsche Zwerghuhnzüchter eine eigene Zwerghuhnschau. 71 Zwerghuhnzüchter hatten 223 Nummern je 1,1 also 446 Tiere unter schwierigen Versandbedingungen nach Leipzig geschickt. Darunter waren 122 Zwergkämpfer. Der unvergessliche Rudolph Kramer, Vater des ersten Geflügelstandards richtete hier alle Tiere.

Oscar Schaerff schwärmte sein Leben lang von dem in seinem Besitz befindlichem kleinen Katalog von dieser Schau: Er ist mein Talisman und beim Lesen in ihm schwelge ich in alten Zeiten.

Oscar Schaerffs Lebensidee – eine große deutsche Zwerghuhnliebhaberei, die ihn schon in jungen Jahren packte, sie galt nicht nur den Tieren, sie galt auch den Menschen um die Liebhaberei. Sein Dasein füllte diese Idee aus, die er stets von höchster Warte aus als eine edle Kunst auffasste, ja als die warmherzigste aller Künste, das schaffen am lebendigen gefiederten Wesen. Alle um diese Kunst sich bemühenden Züchterfreunden, mit denen er in Berührung kam, suchte er das Ideal. Unter diesen Gesetzen dieser hohen Anschauung und dieser Kunst mit ihrer Schönheit strebte er und mühte er sich. Sein Streben und Mühen kam weniger aus dem Kopf, mehr aus dem Herzen. Oscar Schaerff war immer der Große, im Kleinlichen und düsternden Alltag blieb er oft befangen. Er fühlte sich von allem Unsauberen abgestoßen. Die Jagd nach der Siegespalme mit allen Mitteln und das stürmen der Tore nach Beendigung der Ausstellung in der heutigen Zeit würde ihm mit Sicherheit abgestoßen haben.

Ein großer Aufschwung unserer Zwergkämpfer war weiterhin die 4. Nationale Zwerghuhnschau vom 7.-9. Dezember 1923 in der Connewitzer Turnhalle in Leipzig. Auch hier wurden über 120 Tiere der Rassen Moderne Englische Zwergkämpfer (damals neumodig), Altenglische Zwergkämpfer (altmodig), Zwerg Malaien und Zwerg Aseel vorgestellt. Bekannte Namen unter den erfolgreichen Ausstellern Rittmeister Werner Grote Hasenbalg Berlin, den wir übrigens bis in den 50. Jahren des vorigen Jahrhunderts unzählige Berichte über Zwergkämpfer verdanken, Pennemann, Dölau, Hofmann, Jena, Grünwald, Essen und Lohmann, Paderborn. Die Ausstellung und die Zeit wurde damals geprägt durch die Inflation und so blieben ebenfalls der Ausstellung viele Züchter fern.

Unsere Rassen wurden bei den ersten Zwerghuhnschauen wo sie am zahlreichsten neben den Sebright vertreten waren wie folgt beschrieben: Oscar Schaerffs Goldhalsige hatten Weltklasse, durften im Körper aber noch zarter sein und zogen in der Schwanzhaltung leicht an. In Vollendung wurden damals auch die Rotgesattelten gezüchtet. Den Altenglischen fehlte es noch in der Frontbreite, obwohl man damals noch von der Eiform sprach. Die Zwerg Malaien waren nach Ansicht des großen Preisrichters Arthur Wulf, Berlin sehr klein, man sah ihnen damals das Einkreuzen mit Englischen Kämpfern noch sehr an. Große Verdienste um die deutsche Zwerghuhnzucht erwarb sich auch

Dr. Paul Trübenbach, er brachte in seinem Zwerghuhnzüchter viele Artikel heraus die mit vorzüglichen Fotos ausgestattet waren.

Mit Dr. Paul Trübenbach fuhr Oscar Schaerff vom 20.–30. Juli 1930 zum Weltgeflügelkongress nach London, um im Kristallpalast die deutsche Zwerghuhnzucht zu testen.

Bereits ein halbes Jahr vorher hatten sie bei der Nationalen am 18. Januar 1930 den Zwergkämpfer Club gegründet.

Einstimmig wurde in der Gründungsversammlung Jean Kolter, Bad Nauheim zum 1. Vorsitzenden gewählt. Oscar Schaerff als Ehrenvorsitzender übernahm den Wahlleiter. Zu weiteren Vorstandsmitgliedern wurden gewählt: Ernst Florschütz, Jena, Werner Grote Hasenbalg, Berlin und Karl Lohmann Paderborn. Der Club beschloss in seiner Gründungsversammlung alle Zwergkämpferrassen zu vertreten. In der damaligen Zeit waren es aber in erster Linie: Neumodige – und Altmodige, Zwerg Malaien und Zwerg Aseel zu vertreten. Neben den bereits genannten haben sich ganz besonders um den Club die Zuchtfreunde Franz Pennemann, Dölau, Karl Huth, Niederrad, Max Scheithauer, Gaumitz, W. Grünwald, Essen, Kurby, Nordhausen, W. Herbrich, Neugersdorf verdient gemacht.

Der Trend dieser Zeit hat sich auf jenen Personenkreis ausgedehnt, der sich mit der Zucht, Hege und Pflege unserer kleinen Zwerge befasste. Es mag aber auch der Reiz an etwas Besonderem gewesen sein, der Personen aus allen Bevölkerungsschichten zusammenführte.

Dabei hatten die Gründer dieses Vereins die nationalsozialistische Machtergreifung und die unglückselige Zeit des 2. Weltkrieges in Erinnerung, in dessen Folge eine ganze Nation zerstört und moralisch gedemütigt wurde. Besonders die Zuchten unserer Zwergkämpfer waren fast restlos ausgelöscht worden.

Oscar Schaerff starb in den Kriegswirren 1943. Er hatte es nie verstanden, dass gegen seine Zwergkämpferfreunde in England Krieg geführt wurde.

Im Oktober 1949 nur wenige Jahre nach dem Zusammenbruch, trafen sich wieder Zwergkämpferzüchter um Karl Lohmann, Hubert Schwertmann, Alois Schiegel, Heinrich Ruhl, Phillip IV und A.W. König zu den ersten Zusammenkünften des Clubs.

A.W. König entwarf das erste Logo des Clubs mit den zwei stilisierten Hähnen der Modernen und Altenglischen Kämpfer auf blauem Grund. Für die ersten Sonderschauen wurde ein silberner Pokal als Wanderpreis und von dem sehr aktiven Preisrichter Werner Grote Hasenbalg gestifteten Krawatten von Charlotte Anders (seine Ehefrau und bekannte Schauspielerin).

Mit Wilhelm Schmidt, Wilhelm Dedersen. Helmut Schmidtchen, Fritz Held, Karl Otto Schäfer und Richard Schmuck und der viel zu früh verstorbene Gerhard Kastrup, ging es auch mit den Mitgliederzahlen nach oben. Ab den sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts begann man dann Hauptsonderschauen durchzuführen. Herford setzte hier Maßstäbe durch den unvergessenen Wilhelm Dedersen aus Bad Salzuflen, der die Zuchten der Zwergkämpferrassen durch teurere Importe aus England förderte. Der Präsident des Old English Club, U.K. wurde als Preisrichter nach Herford eingeladen, Major Stevens. HSS wurden in Pohlheim, Kelsterbach, Bielefeld, Kassel, Langenselbold, Verden, Langenberg, Wismar, Lippstadt und Bestwig mit großem Erfolg durchgeführt. Meldezahlen von 700 – 800 Tiere waren keine Seltenheit. Begehrt ist hier das Kämpferband, welches fast jeder Rasse und in jeder Farbe vergeben wurde.

Mit viel Liebe zur Rasse der Zwergkämpfer und zu seinen Mitgliedern wurde der Club von seinen Vorsitzenden Oscar Schaerff, Jean Kolter, Werner Grote Hasenbalg, Karl Lohmann, Wilhelm Dedersen, Heinrich Temme, Wilhelm Schmidt und vom Verfasser durch nicht immer leichte Zeiten geführt. Das Ausstellungsverbot kopierter Hähne bei den englischen Kämpfern konnte nicht verhindert werden. Obwohl der Einsatz der Clubmitglieder, seines Vorstandes und seines Stellvertretenden Vorsitzenden Thomas Müller hier ohne Beispiel war.

Öffentlichkeitsarbeit für den Club und seine Rassen durch Beiträge in der Fachpresse, das Handbuch der Zwergkämpferrassen von Wilhelm Schmidt und Dieter Rüppel und die drei verfassten Werke des Verfassers dürfen hier nicht unerwähnt bleiben. Und auch unsere vorzügliche Darstellung im Internet von Paul Balkenhol muss herausgestellt werden.

75 Jahre Zwergkämpferzucht in Deutschland, 75 Jahre ein Aufstieg aus den kleinsten Anfängen zur stolzen Höhe.

Uns alle hat ein guter Geist beseelt, möge er den jetzigen und zukünftigen Zwergkämpferzüchtern derselbe gute Stern sein, unter dessen Schein sie weiter bauen und vollenden mögen, was die alten begonnen haben.


Written By: host
Date Posted: 6/7/2006
Number of Views: 1351

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